Montag, 27. November 2017

Sie haben ihr Ziel erreicht ...

so ist nun also meine Reise am Ende angekommen 😩


Wie schrieb ich noch im letzten Post zum bevorstehenden Ende meiner Reise?

...
Ich mache so viel von diesem Lauf abhängig.
Wie ich mich fühlen werde.
Wie es mir gehen wird.
Wie ich ankommen werde.
Erhobenen Hauptes, mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht, oder am Boden zerstört.
...

Nun habe ich also das Ziel erreicht, und das weder mit erhobenen Hauptes, noch am Boden zerstört.

So viele aufmunternde Worte haben mich erreicht, nachdem ich die erste Meldung zum DNF abgesetzt hatte. Viele wollten mich trösten, Mut zusprechen.
Und doch ist kein Groll, noch Traurigkeit, in dem DNF.
Nein!
Ich habe genau die Erkenntnis gewonnen, die ich gewinnen wollte! 😉

Die letzte Nacht vorm Lauf verlief so, wie sie immer laufen: aufgeregt, tausend Gedanken im Kopf und 6:00 Uhr endgültig zu Ende.

Die kleine Pension in Bonn, 8 Autominiuten vom Start weg, bot kein Frühstück, dafür ein gutes Bett und Kaffee aus der Maschine im Zimmer, was zu meinem Müsli gut tat. Mehr brauchte ich auch irgendwie nicht.

7:30 Uhr war ich bereits am Bootshaus auf der Elsa-Brändström-Straße, dem Treffpunkt, den ich am Vorabend bereit als "kleinen" Spaziergang erkundet hatte.


Nach Abstellen des Space Shuttels auf der Straße traf ich Michael nun mal endlich im wahren Leben und es gab eine Menge zu quasseln.

Langsam füllte sich die Halle und es gab wie üblich an allen Ecken nur ein Thema: was wird auf uns zukommen, was gab es in den letzten Monaten zu erleben ...


9:00 Uhr Breefing und alles machte sich für die Abfahrt nach Koblenz bereit.

9:30 Uhr starteten wir in dem liebevoll aufepimpten historischen Bonner-Stadtbus in Richtung Koblenz und selbst hier gab es nur ein Thema ...




Neben Michael und mit Hermann und Rainer im Rücken verlief die Fahr sehr kurzweilig.

In Koblenz gelandet, empfing uns das BuGa-Gelände mit nieseligem Novemberwetter 😢


Die letzten Handgriffe und Büsche-Düng-Aktionen waren schnell erledigt und der Startpunkt erklommen.


Als ob nicht genug Höhenmeter auf uns zukommen würden ...

11:00 Uhr gab es den imaginären Startschuss zum Abmarsch und die Meute  setzte sich in Bewegung.

Mein Ziel lag bei 21:00 Stunden, was einen Schnitt von 9 min/km hieß. Entsprechend verhalten ging es los.

Einsetzender Regen, Schneeschauer und Graupel, aufgeweichte Feldwege und Kälte trugen nicht gerade zum Heben der Stimmung bei. Es war einfach trüb und trist ...
Lust auf Quasselei hatte ich auch nicht wirklich und das Feld zog sich bereits nach 5 km weit auseinander.
Der spätere Sieger Tobias, mit 15:46 Std.!!!, verabschiedete sich mit Küsschen von seiner Freundin und zog ab, als ob er nen Raketenantrieb eingeschaltet hatte. Ich sah ihn nie wieder 😲.

Die am Vortag neu erworbenen Handschuhe vom Dealer des Vertrauens waren prima war und ich war guter Hoffnung. Nur mit Einsetzten des Regens war das hinfällig 😭


Ich behielt sie dennoch an und zog sie erst kurz vorm 1. VP in Rensdorf aus.

Hier traf ich unerwartet Sascha, der leider krankheitsbedingt seinen Start absagen musste, dafür aber den Support übernahm und mich mit der ersten warmen Suppe des Tages versorgte.
Langsam kam wieder Leben in die Finger, aber das Anziehen neuer, trockener Handschuh bekam ich dennoch nicht hin.
Das übernahmen liebe Helfer, die mir wirklich in diese rein helfen mussten, wie ich dies früher bei meinen Kindern tun musste 😭

Aber danach wurde es besser und bis zum Dropbag blieben die Hände sogar mehr oder weniger warm und ich konnte wenigstens mal das Handy zücken, um die Gegend einzufangen.



Das sind auch schon die 2 einzigen Bilder 😭

Wer mich kennt, weiß, dass das eines meiner Leidenschaften meiner Läufe ist: die Landschaft und die Gegend einzufangen.

Und so kommen wir nun also schon zu den Zielen, die ich erreicht habe und erreichen wollte.

...
Wie ich mich fühlen werde.
Wie es mir gehen wird.
Wie ich ankommen werde.
...

Nun: diese Art von Läufen ist nicht meins.
Ich fühlte mich wirklich sehr gut.
Mir ging es konditionell und körperlich richtig gut.

Die Halbzeit bei km 71 an VP2 erreichte ich nach 9:40h, was faktisch ne Punktlandung gewesen ist, beim Ziel 21h.


Selbst beim VP3 am Erpeler Ley bei km 91 ging es mir sehr gut.
Ich nutze den Dropbag und wechselte Unterhemd und Jacke. Weil ich aber meine Wechselsocken vermisste, lies ich die Schuhe an und lief mit den Inov8 MudClaw300 weiter.
Und das war sch...

Kurz nach dem VP und hinter Orsberg knickte ich mit beiden Füßen derbe um, spürte doch zunächst nichts.
Nur nach und nach wurde es schmerzhafter. Mit frischen Schuhen hätte ich diese vielleicht auch etwas lockerer gebunden und hätte, wenn und aber ...

Es wurde immer schlimmer. Jeder Schritt verursachte mit jedem weiteren Kilometer mehr Schmerzen und der Versuch der Kälte mit Laufeinlagen zu begegnen musste nach ein paar Schritten wieder abgebrochen werden.

Was nun?
Zurück?
Runter zu einem Bahnhof und mit dem Zug nach Bonn?
Um diese Uhrzeit?
Es war inzwischen 4:00 Uhr Sonntagmorgen. Bringt nichts! Jetzt würde kein Zug fahren. Ich würde mir auf dem Bahnhof den Tod holen.

Also moderat weiter.
Die Schritte wurden immer kleiner und ich war mehr als froh, dass ich mich für Stöcke entschieden hatte.

An einem der passierten Weinberge in der Nähe von Linz lief ich gemeinsam mit dem späteren Viertplatzierten Andrej. Plötzlich rutschte er aus und kam nur sehr mühsam den Berg hoch. Also bei dem Wetter eine gute Entscheidung für Stöcke.

Meine Entscheidung fiel kurz hinter der Löwenburg. Ich werde aussteigen. Noch bis zum VP4 in Rhöhndorf durchhalten.
Besser Durchkämpfen 😩
Und Kampf war es in der Tat.
Die ersten Läufer vom "Auge um Auge" kamen mir entgegen und so mancher Trail war schon sehr arg eng für 2 Läufer. Und die Passagen sehr sehr anspruchsvoll, wie auch schon der Rest mancher Abschnitte.

Nach 18:36 Stunden hatte ich den VP4 erreicht und hatte echtes Glück.
Zum einen traf ich auf Thomas, der sich gerade auf seinem 99er-Lauf hier stärkte und alle Zeit der Welt zu haben schien 😊
Zum anderen wurde meine vorsichtige Frage, ob es die Möglichkeit gäbe, dass mich jemand zum Ziel fahren könnte, positiv beantwortet.
Stefan baue gerade den VP 3 am Erpeler Ley ab und könne mich dann abholen.

Na toll. Ich drückte also Stopp. Für mich war das Rennen gelaufen.

Anke und Andreas verließen gerade den VP, als ich eintraf und Andreas versuchte mich noch zum Weitermachen zu überreden, aber die Chance des Rücktransports und die Nachträgliche Auswertung seiner Endzeit mit 22:24 Std. hätten für mich, mit dem Fuß, mindestens noch 5 Stunden bedeutet.

Die lieben Helfer sprachen mir Mut zu und taten alles, mir die Warterei zu verkürzen. Die warme Suppe tat sehr gut und das "Buffet" lies keinen Wunsch offen.

Und schon hier merkte ich, dass ich in keinster Weise traurig oder enttäuscht ob des Abbruchs war.
Nein, jedes Mal wenn ich von meinem Stuhl aufstand und versuchte an die Versorgung zu kommen, ging es kaum noch einen Schritt und somit war es eine kluge und gute Entscheidung.

Klar. Es stehen "nur" 118 km auf der Uhr. 140 Kilometer und Finish hätten mir besser gefallen. Nur noch 22 km. Aber ich bedaure es nicht.


In 18 Stunden gehen dir so viele Gedanken durch den Kopf.
Du läufst tolle Singletrails abwärts.
Du kämpfst dich anspruchsvolle Aufstiege hoch.
Du hast herrliche Ausblicke, hoch oben über dem Rhein.
Du läufst allein im stillen Wald.
Du bist mit dir allein in Stille und Ruhe. Auf dem Weg zu dir selbst 😉

Und doch kannst du nichts von alledem genießen. Dann weißt du einfach: diese Läufe sind nichts für dich.
Und letztlich ist es genau das, was ich herausfinden wollte. Was ich herausfinden musste.

Die Orga ist toll. Ein familiäres, tolles Team. Ein sensationelles Preis/Leistungsverhältnis. 
Und doch gibt es Sachen, die eben nichts für mich sind.

Ich laufe gern im dunklen, ich laufe gern allein, ich laufe gern lange.
Aber was ich heute als Fazit ziehen muss und kann:
Meine Distanz liegt zwischen 75 und 100 Kilometern. Da fühle ich mich wohl. Das könnte ich auch an mehreren Tagen hintereinander laufen.

Dazu kommt auch noch das Verlaufen.
In Summe 16x!!! 
Diese liegt aber keinesfalls am Orga-Team. Diese sind in der Verantwortung der Wandervereine.
Wie kann man Wanderwege in Höhe 2 Meter beschildern? Das müssen Menschen entschieden haben, die keine Ahnung vom Wandern haben. Man sieht hin, wo man hin tritt und guckt nicht in den Himmel 😨

Was bleibt ist eben die Erkenntnis. Und die ist es die ich haben wollte. Die ich haben musste.
Wie heißt es so schön?
Versuch macht Klug!


Somit steht also fest, dass es für mich keine Steigerung der Distanz geben wird. Es soll Spaß machen, mir Freude bereiten und nicht in Stress und Unzufriedenheit enden. Denn dann könnte das Laufen enden. Und das hat es nicht verdient.
Nicht umsonst heißt es gerade für mich: Laufen ist Leben 😊

Somit ist das Jahr "abgelaufen" und die ersten Ziele für das kommende Jahr sind definiert.
Ziele klar definieren, schreibe sie auf und kontrolliere sie am Schluss sage ich immer.


Alles in allem war das ein gutes und erfolgreiches Jahr mit schönen und erfolgreichen Läufen und gewonnenen Erkenntnissen.

2018 kommen neue Sachen, die aber nun genau das beinhalten werden, woran ich Spaß habe.

Euch allen Danke ich für das Lesen meins Blog, für eure lieben Kommentar der letzten Tage.
Bleibt alle gesund und meinem Blog gewogen.

ich verbleibe mit sportlichen Grüßen
Euer Gnü aus Zü

Kommentare:

  1. Lieber Peter, ich muss sagen, man kann wirklich mitfühlen beim Lesen.
    Und ich kenne all die Gedanken nur zu Gut. Ich bin eine ganze Zeit lang dem Trend gefolgt, zu sehen was ich zu leisten im Stande bin. Nachdem mich der ZUT 2x besiegt hat, weiß ich für mich. Karwendel und Rennsteig sind toll. Und alles bis 55/60km kann ich laufen.
    Alles darüber muss ich nicht haben. Und das ist gut so. Zufrieden sein mit sich selbst, das ist das Ziel (dann ist die obligatorische Linie auch manchmal gar nicht so relevant)
    Ich bin auf deine Abenteuer nächstes Jahr gespannt. Es wird sicher einiges zu lesen geben.

    Liebe Grüße
    Katrin *katitria*
    Ich

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    1. Dankeschön, liebe Katrin, für das Lob.
      Es freut mich, andere an dem teilhaben zu lassen und das Gefühl vermitteln zu können.
      Ja, 2018 ist schon in Planung und der eine oder andere Lauf sind natürlich schon fest geplant.
      Alles andere, was so in meinem Kopf rumgeisterte, ist erledigt oder gestorben :-)

      Liebe Grüße und bleib gesund, denn das ist das wichtigste
      Peter

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  2. Lieber Peter,

    was soll ich dazu sagen, es hat nicht gepasst, du hast endgültig herausgefunden, was dir am besten liegt, weißt, was du nicht möchtest.


    Schade finde ich nur, dass du ausgestiegen bist, aber wenn es nicht geht, dann geht es halt nicht . Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Läufer leichter aussteigen, wenn sie es vorher bereits getan haben und es dann oft immer wieder tun - das wünsche ich dir nicht.

    Wie auch immer, du bist nicht traurig
    du weißt
    was du willst
    du wirst das lassen
    was dir nicht bekommt
    hälst den Kopf hoch
    die Ohren steif
    und schmiedest neue Pläne für 2018
    bis dahin erhole dich gut
    bleib vor allem gesund
    ganz gesund
    und immer gut drauf
    das wünsche ich dir von ♥

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    1. Nein, liebe Margitta, das wird definitiv nicht passieren.

      Wettkampf, da liegt die Bedeutung schließlich schon im Wort selbst, heißt auch Kampf.
      Kampf gegen den Kopf (welchen ich letztens leider verlor) und auch Kampf gegen die Strecke.

      Ich halte den Kopf hoch und die Ohren steif.
      Versprochen :-)
      Und 2018 hat schon ein paar ganz konkrete Ziele ;-)

      Liebe Grüße ans Meer
      Peter

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  3. Klasse Bericht. Ich habe bei jeder Zeile mitgefühlt !

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    1. Danke dir ganz lieb, Alex.
      Freut mich sehr, wenn ihr teilhaben könnt und ein bisschen mitfiebert.
      LG und bis bald
      Peter

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  4. Hallo Peter

    Sehr gut geschrieben und wenn du für dich die Erkenntnis gewonnen hast, dass 100 und mehr Kilometer, nichts für dich sind,dann ist das so. Jeder muss für sich selber herausfinden, was gut für ihn ist.
    HAUPTSACHE: DER SPASS GEHT NICHT VERLOREN UND ES ARTET IN STRESS AUS.

    ES IST SCHLIESSLICH HOBBY!!!

    Erhol dich gut und pflege deinen malträtierten Körper, er hat schliesslich dieses Jahr sehr viel geleistet.

    Gruss Stefan

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    1. Dankeschön Stefan.
      Genau das ist es: Hobby ☺️
      Und Stress haben wir wahrlich genug schon 😔
      Alles Gute dir ebenfalls und bis bald
      LG
      Peter

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  5. Klasse Leistung Peter, auch wenn du abbrechen musstest. Es ist wirklich gut, seine Grenzen zu kennen, und vor Allem, was mein leisten möchte. Ich habe 2018 etwas ähnliches vor mit dem Mega-Marsch hier in Dresden. Da möchte ich auch meine Grenzen (jedoch im Wandern) ausloten.

    Alles Gute für dich und euch ein schönes Weihnachtsfest.

    Liebe Grüße
    Henrik

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    1. Hallo Henrik,

      lange nichts gehört, m so schöner hier von dir zu lesen.
      Ich wünsche dir für deinen MegaMarsch alles Gute und komm gesund und zufrieden ins Ziel.

      Euch auch eine besinnliche Weihnachtszeit und auf ein Wiedersehen in 2018

      LG
      Peter

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