Sonntag, 30. Juli 2017

Motivation ....

Mo·ti·va·ti·o̱n
Substantiv [die]
  1. 1.
    Haltung, in der die Motive1 einer Entscheidung oder Handlung zusammengefasst sind.

    "Die Motivation seines Handelns ist mir nicht klar."
  2. 2.
    Zustand, in dem man motiviert2 ist, etwas zu tun.

    "Hast du genug Motivation für diese schwierige Aufgabe ?"

Motivation ist wichtig und treibt uns an, Ziele zu erreichen, oder diesen zu folgen.


Ich habe meine Motivation nun vor mir hängen, so wie auch schon andere Zeilen, die mich motivieren an meinem Schreibtisch hängen 😉

Zum Beispiel meine Liste mit den 7 Punkten zum Erreichen persönlicher Ziele. Daraus 1.
Ziele klar definieren (Schreibe sie auf und kontrolliere sie am Schluss)

Genau aus dem Grund habe ich meine Ziele in meinem Blog fixiert.

Und das neue Ziel an meiner Wand wird der Teneriffa Blue Trail 2019 zu meinem 50. Geburtstag sein. 😎

Das ist vielleicht noch lange hin, aber Vorfreude und so 😊.

Bis dahin stehen erst mal ein paar andere Ziele im Plan und das nächste ist so weit nicht mehr weg: in 19 Tagen werde ich zum 3. Mal beim Lauf um Deutschland größten Binnensee, beim Müritz Lauf, starten.

Ich freue mich sehr auf die Müritz und alte Bekannte wieder zu treffen. Auch wenn die Vorfreude in dieser Woche etwas gedämpft wurde.
Lief die letzte Woche mit dem Doppeldecker richtig gut und du denkst es geht noch mehr, kommt sicher irgendwo der Dämpfer her.

Und der Dämpfer war eher das Gegenteil von Dämpfen, eher sehr flüssig in Form von einer Magen-Darm-Infektion. Einzelheiten erspare ich euch gern.

Der Montag war natürlich nach der Doppelbelastung ein Ruhetag und wurde eingehalten.

In der Nacht der Dämpfer, der den Lauf am Dienstag unmöglich machte 😭

Mittwoch Systemcheck IO und locker laufen sollte gehen. Ging genau 10 km. Dann rief ein Busch. Nach 14 km war Ende und ich musste die letzten km nach Hause gehen 😭

Donnerstag wieder alles IO und ich schlug mir die Idee, Laufen zugehen, gleich aus dem Kopf.
Dafür sattelte ich das Rennrad, denn das sollte doch wohl gehen, bzw. rollen.
Es rollte 😤

Ganz entspannt ging es mal wieder in "meinen" Chattengau und beinahe wäre es eine richtig gute Tour geworden, wenn...
Ja wenn Donar Rocker oder Radler währe 😞


Nein. Ist er nicht, sondern sorgte für ne Unterbodenwäsche beim Gnü 😒.
In Felsberg hatte ich die dunklen Wolken bereits durch und meine Klamotten waren es auch 😭


Aber gemacht ist gemacht und dabei konnte gleich ein Plan für den Freitag gemacht werden.
Denn diese Woche war Lauftechnisch eh "gelaufen".

Freitag 
Nach Erledigen und abarbeiten der Job-Aufgaben und Ziele (genau, auch diese schreibe ich auf), Bürotür zu, Kellertür auf und Rennrad raus.

Ederseeumrundung 😁
War ich doch letzte Woche erst laufend herum, so ist die kurbelnde Umrundung eine Ewigkeit her.
Donar blies und pustete, als ob er mich vom Rad holen wöllte, aber in Anbetracht des bevorstehenden Urlaubs in Nordholland, war das gutes Training, ihm zu trotzen 😵

Ein paar extra Kurven nahm ich mit, denn das Ziel hieß km 100+.
Über Geismar und den Radweg durch die Ederauen ging es nach Affoldern. 
An der Sperrmauer vorbei und den Autos auf der Uferrandstraße auf den Radweg ausgewichen, hieß es auch hier wieder besondere Rücksichtnahme auf die Hobbypedalisten, die so sicher zu sein scheinen 😞

Schloss Waldeck hoch oben
In Niederwerbe ging es hinauf nach Basdorf vorbei an der Sommerrodelbahn, die mit Coffee for free für Biker warb. Bin ich Biker? Sicher. Aber ob das andere auch so sehen. Sie meinen sicher die, die die Reste der Dinosaurier verbrennen 😩

Weiter ging der Weg mit Ziel Herzhausen. Da sollte Pause sein. Eher nicht. Und die Entscheidung war richtig 😤


Sehr lecker, du Fresssack 😎
Ein Stück hätte ja auch gereicht, aber der sah so lecker aus und wie ich schon sagte: ohne Kuchen geht gar nicht. Der gehört in die Liste der Grundnahrungsmittel aufgenommen 😂

Nach kurzer, aber leckerer Rast in der Sonne, ging´s auf in den Kellerwald.
Über Schmidtlohtheim und Kirchlotheim hinauf nach Frankenau, dem höchsten Punkt der Tour mit 481 m üNN.


Ist schon schön, wenn man abseits der Motorradstrecken auf Radwegen allein sein kann.


Ab Frankenau ging die Fahrt rasant abwärts durchs Wesetal nach Frebershausen, Gellershausen, Kleinern nach Giflitz.

Auf dem Radweg ging es zurück nach Fritzlar und einer Kleiner Umweg über Haddamar brachte mich zu meiner Punktlandung und zu Erfüllung meines Vorhabens km 100+ 😊


Da waren wir doch mal sehr zufrieden und der Magen-Darm-Infekt hat auch kapituliert 😏

Sonnabend wie immer Brötchen einfangen.

Seit der inzwischen 4. oder 5. Bäcker in unserem Örtchen das Handtuch geworfen hat, ist das Ziel Fritzlar. Das kann man mit dem Stinker machen, oder aber mit dem Rad.
Ich nahm das MTB, denn die Neuanschaffung, Gepäckträger und Tasche, mussten schließlich mal getestet werden.


Ging richtig gut, nur ein bisschen zu klein die Box, oder wir zu verfressen 😪

Ein bisschen Pflege an Haus und Hof standen auf dem Plan und nach 4 h in gebückter FugenAuskratzHaltung war ich bedient und schnürte die Schuhchen.

Nichts wildes und keine Experimente nach der Woche, dachte ich und machte mich lieber mal wieder auf den Weg die Grenze des Fürstentum Waldeck zu kontrollieren.


Das war genau die richtige Entscheidung.
Stille und dieser wundervolle Duft, den der Wald verströmt, wenn es Nachts geregnet hat, sind unbeschreiblich.

Ein bisschen Pfützen ausweichen und dem einen oder anderen Wasserloch, denn geregnet hatte es in den letzten Tagen ja nun wirklich genug.
Mein Messbecher zeigte von Randvoll bis 10 Liter in der letzten Woche so ziemlich, was los war 😞

Kurz vorm Heimatlichen Ziel noch den Kollegen ins Gras gescheucht.


Die Runde lief ganz ok, wenn es auch zum Schluss hin schon etwas zäh waurde.


So stand der Sonntag vor der Tür und mit ihm mein letzter langer Dauerlauf vor der Müritz-Umrundung 😲
Ob das geht?, dachte ich mir am Morgen. Aber Versuch macht kluch, sag ich immer.
Trinkrucksack gepackt und ab ...

Inzwischen ist diese Runde so etwas wie ein Standard geworden und ich kann jederzeit Änderungen vornehmen.
Es ging vorbei am Hasenberg nach Lohne.


Die Sonne drückte ordentlich, aber ich dachte, an der Müritz kann´s genau so werden, wie ich nun bereits bereits 2 x erleben durfte.

Nach bereits 12 km machte sich eine Erschöpfung bemerkbar, die ich eigentlich erst bei 20-25 erwartet hätte. Aber Zähne hoch und Kopf zusammengebissen und weiter.

In Gudensberg ging der Weg nach Maden entlang am Goldbach, der sein erfrischendes Nass für mich bereithielt.

Ein halbes Brötchen in den Bauch, denn schon beim Frühstück hatte ich gar keinen Hunger heute. Vielleicht war auch das der Grund, der Mattheit. Schlecht geschlafen hatte ich außerdem.


Alt wie ein Baum ... trällerte ich vor mich hin und wünschte es heute zu schaffen. Aber nein!

In Obervorschütz kam die erste Änderung: nicht nach Wabern und die 40k anvisieren, sondern hinter dem Obersten Holz in Cappel abbiegen und "nur2 35k.

Schon den kleinen Anstieg zum Forst musste ich durch Gehpausen unterbrechen.
Na wenigstens entdeckte ich noch dieses Prachtexemplar:


Eine Wespen- oder Tigerspinne. Der Zeichnung nach zu urteilen ein Weibchen. In Natura ca. 2,5 cm und saß wartend in ihrem Netz am Wegesrand. Nicht weiter störend ging es weiter.

Zwischen Obermöllrich und Zennern hielt Mutter Natur eine Köstlichkeit für mich bereit , die natürlich liebend gern annahm 😛.


Der Rest des Weges zog sich wie Kaugummi und als Lauf-Novize würde ich jetzt zweifelnd zusammenbrechen, ob des nahenden Ziels 75 km um die Müritz zu schaffen.
Ultra entscheidet sich am Tag des Ultra 😌
Es kann im Training Bombe laufen und dafür im Rennen bescheiden. Dann ist´s mir andersherum lieber 😑.

Bis zur Tanke habe ich mich noch zusammengerissen und da eine Pause eingelegt.
Aber weder der rote Bulle, der dir Flügen verleihen soll, noch das braune zuckerhaltige Wundermittel verhalfen dem Gnü wieder zum Leben 😞


Also Entschluss gefasst und mit Sohnemann verabredet, der mich in Fritzlar mit Heim nehmen musste.
Die letzten km mehr gegangen, als gelaufen und als ich die Stufen zum Ziegenberg erklommen hatte und den Dom vor mir sah, war ich echt am Ar...


Die nächste Tanke hielt wieder eine Zuckerinfussionslösung für mich bereit und die letzen Meter zum Treffpunkt wurden gegangen.
Stopp und aus und vorbei 😭


Na gut. fast 30 km und das mit den Wiedrichkeiten dieser Woche. Belassen wir´s dabei 😖

Die Woche steht damit wie folgt auf der Habenseite:


156 km gekurbelt 
60 km gelaufen
17 km Brötchenkurierdienst 

Es bleibt noch eine Woche, bevor wir noch ein paar Tage am Meer genießen werden und zu Retten ist nun eh nichts mehr.
Was kommt kommt, was nicht kommt bleibt ...

Damit ist also wieder eine Woche geschafft.
Ich danke euch ganz herzlich für das Lesen meines Blog. Freue mich sehr, wenn ihr mir einen Kommentar, oder auch Kritik hinterlasst und hoffe, dass ihr wiederkommt.

Kommt gut durch die neue Woche und immer fein dran denken:
Wer sich bewegt, bewegt was!
Und wenn es die Ziele im Kopf sind, die ihr hoffentlich aufgeschrieben und an die Wand gehangen habt 😊

Mit sportlichen Grüßen
Euer Gnü aus Zü

Montag, 24. Juli 2017

Wenn du denkst ...

es geht noch mehr ...
kommt irgendwo der Dämpfer her 😠



Es ist immer eine Gratwanderung, auf der wir uns bewegen:

Extreme Läufe
Lange Läufe
Entfernte Läufe
Alles versuchen wir unter einen Hut zu bekommen.
Schmieden Pläne.
Entwerfen Pläne.
Überdenken Pläne.
Werfen Pläne über den Haufen.

Ja.

Auch das. 
Ich auch.

Nach dem Keufelskopf war der Kopf zu.

Zuviel, was da drin rum geisterte, was mir das Laufen zur Qual anstatt zum Genuss werden lies.

So lies ich die Schuhe im Keller stehen und saß mehr auf dem Rennrad, welches sich darüber sehr freute 😉




Der anschließende Urlaub war so ziemlich das Beste, was mir passieren konnte, denn der Kopf ist wieder frei und der Dämpfer überstanden.

Die Teilnahme am Thüringen Ultra hatte ich gestrichen und der nächste Start, um Deutschlands größten Binnensee, passte hervorragend zum Profil in Lanzarote.

Entgegen des eigentlichen Plans packte ich die Laufklamotten doch ein und genoss es einfach, am Abend zwischen Strand oder Pool und Abendessen an der Promenade entlang zu dösen, ohne Ziel und Vorgabe.

Ich versuchte mein Glück auch mal im Freiwasser, aber als die Strandaufsicht mir dies, wegen des geringen Wasserstandes nach meinen Versuchen und meinem Trinkwasserbauch, verboten, lies ich auch das sein und werde im Leben NIE versuchen Triathlet zu werden 😖

3 Wochen in der Vorbereitung auf den Müritz-Lauf sind geschafft und die letzte Woche hatte was ganz besonderes im Hintkopf.

Seit Ewigkeiten freute ich mich auf eine ganz besondere Rennradtour ins Sauerland, aber wie ich bereits veröffentlichte, ist der Gott des Donners, Donar, nicht der Rocker und auch kein Radler 😲

So mussten die Rocker beim Rock am Stück in Geismar mal wieder schwimmen lernen und ich "durfte" meine 2xxer-Rennrad-Runde von Züschen/Hessen über Züschen/Winterberg und zurück streichen.

Aber so ganz ohne was besonderes, wenn mich meine Frau schon mal alleine lässt?
Nie! 😏

Die Runde, auf der ich mit dem MTB den Waldweg vermessen habe, mit den Laufschuhen ablaufen. Das wäre doch was. MTB ist eh viel zu gefährlich für mich 😏.



Die doch etwas anspruchsvollere Strecke ging über Geismar hinter dem Festivalgelände entlang, mit starken Gitarrenriffs 👌 nach Fritzlar.


Hinter Fritzlar tauchte ich in den Stadtwald ein und folgte dem Ars Natura in Richtung Bad Wildungen.

Den Wanderweg der Kunst quere ich doch des öfteren und auch beim Kyffhäuser Berglauf werde ich immer wieder an ihn erinnert, denn den Wanderweg X8 läuft man auch da entlang. Wo sich früher die Adeligen halt so rum trieben 😊

Wie das dann so ist, wenn man in den "Flow" kommt; man verpasst schon mal nen Abzweig und lernt neue Wege kennen 😊.



Glücklich und zufrieden erreichte ich den heimatlichen Herd, auf dem Herr Sohnemann sogar was für den Papa mit gekocht hatte 😚. Braver Junge 😊.




Irgendwie lief das so gut, dass ich ne ganz verrückte Idee bekam:
Am Sonntag nen "Doppeldecke" durchziehen 😝

Wat dat schon wieder?
Sonnabend ausgefallene Radtour. Dafür 40 km und am Sonntag noch einen drauf setzen.

Jupp.
Idee spukte durch den Kopf und schon wurde das fest gemacht!

Sonntag Trinkrucksack gepackt, bzw. neu aufgefüllt. Paar Riegel und 2 Bananen rein. Iso-Pulver zum Nachfüllen ins Tütchen und 9:30 Uhr stand der Gnü in Rehbach am Start.


Das einzige, was wirklich sehr schlimm war, bzw. ist, ist der Wasserstand im See 😳
1 5-tel ist ja mal nix und die Urlauber können einem schon Leid tun.

Was soll ich sagen? Ansonsten ein perfekter Tag 😊
Eine leichte Brise kühlt und die Sonne brannte nicht so vom Himmel, wie in den letzten Wochen.

Bis zur Brücke Asel kamen mir kaum Menschen entgegen, was sich allerdings ab da schlagartig änderte.

Brücke Asel von Süden her

Brücke Asel von Nord her
Ja, es ist schon was besonderes, wenn das Edersee-Atlantis auftaucht.
Und doch kann man zornig werden 😒

Rücksicht?
Fehlanzeige!


Autofahrer, die nicht blicken, wenn sie ausweichen und der Nachfolger nicht weiß, was los ist. 
Fuß- und Spaziergänger, die genau so Rücksichtslos sind.
Rad- und Hobby-Pedalisten, bei denen einem Angst und Bange werden kann.

So war ich froh, dass ich unbeschadet Herzhausen erreichte und wieder in "meinen" Wald eintauchen konnte 😊

Brücke Herzhausen
Ich folgte dem UE-Zeichen des Urwaldsteiges und war wieder mit mir allein.


So mancher Blick auf den See stimmt schon sehr nachdenklich und macht traurig. Denn was sonst blau schillert, liegt in grün vor und unter mir 😭

Nach ca. 25 km erreichte ich den wohl schönsten Abschnitt der Runde: den Knorreichen-Stieg.


Leider sind es nur 3 km Single-Trail, aber die sind dafür traumhaft schön.


Nach 4 km wird es noch mal anstrengend und man zieht sich mehr hinauf, anstatt man läuft.


Dann ist das wichtigste Etappenziel erreicht: Halbinsel Scheid.
Hier ist die erste wirkliche Chance auszusteigen.
Also Systemcheck und Entscheidung fällen.

Wie sage ich immer so schön?
Aufgeben kannst du bei der Post!


Also weiter und die nächsten 20 km an der Uferrandstraße in Richtung Sperrmauer.

Was soll man dazu scheiben?
Man schwelgt in den Erinnerungen des so eben erlaufenen und versucht den Asphalt unter den Füßen zu vergessen.

Der eine oder andere Blick entschädigt auch hier wieder für die vielen Rücksichtslosen 😒
Fußgänger zu viert nebeneinander, sodass Radfahrer nicht vorbei kommen, geschweige denn Läufer überholen können.
Glatzköpfige Porschefahrer, die mit ihrem Potenzverstärker anderen zeigen müssen, was sie für coole Typen sind. Kinder, die es schon von ihren Eltern vorgelebt bekommen, wie man sich nicht verhält 😳

Und am Morgen wird stundenlang im Radio über die Rettungsgasse diskutiert 😳
Dabei fängt es doch schon im Alltag an: Rücksichtnahme ...

Genug geärgert und die letzten 8 km wieder abseits der Überlaufenen Wege, wo alle ihre Jack-Wolfskin-Draußen-Zu-Hause-Flatrate-Klamotten präsentieren müssen.


Ein letzter Blick hinauf zu Schloss Waldeck, bevor es durch die Bäume verdeckt sein wird und meine letzten 5 km schon schwer werden.
Aber vielleicht ist das normal.

Nach 56 km konnte ich die Stopp-Taste drücken und muss gestehen, ein klein wenig Stolz zu sein, auf den absolvierten Doppeldecker.

Die Woche kam so folgendes zusammen:

KW29/2017
140 km gelaufen mit allein 1200 pos hm am Sonntag
115 km gekurbelt

Und heute, wo ich die Zeilen schreib muss ich sagen: 
es geht blendend. Nichts tut weh, keine Müdigkeit in den Beinen und doch wird heute pausiert für die nächste Herausforderung:
Meinem 3. Start around the Germanys biggest Lake um die Müritz in 25 Tagen und 14 Stunden.

So. Nun sind doch mal wieder ein paar mehr Zeilen zusammengekommen und ich würde mich sehr freuen, wenn ihr mir einen Kommentar hinterlasst.

Vielen Dank fürs Lesen meines Blog, bleibt alle Gesund und Rücksichtsvoll.
Und immer daran den Denken:
Wer sich bewegt, bewegt was!


Mit sportlichen Grüßen
euer Gnü aus Zü

Montag, 5. Juni 2017

die Hessen, die Oranje und der Keufelskopf ...

was haben die gemeinsam?

Das niederländische Königsgeschlecht geht auf den Ursprung in Oranien-Nassau zurück und auch die älteste Nationalhymne, je nach Definition, der Welt, bezieht sich auf die Herkunft aus dem Hause Oranien-Nassau, welches ja nun mal in Hessen liegt.




Nach 25 Jahren sind auch wir in Hessen angekommen, als Exil-Dresdner so zu sagen und seit der Geburt unseres Sohnes sind wir Holland-Liebhaber.


Fahren wir seit nunmehr 19 Jahren dahin und genießen es. Genießen sie. Sie sind so entspannt und ein bisschen verrück. Liebenswert verrückt.

Was macht man, wenn man ein altes Bettgestell hat? Man bastelt 4 Rädchen drunter und veranstaltet ein Bettenrennen über die Hauptstraße in Petten/Nordholland, zum Beispiel.
Oder, wenn im Winter die Grachten zugefroren sind, werden die Schlittschuhe angezogen und meilenweit darauf gelaufen.

Ein bisschen verrückt eben. Liebenswert verrückt.


Diese Verrücktheit hat Eric mit nach Deutschland in den Hunsrück 

gebracht, wie er auf seiner Web-Seite auch gleich zu verstehen gibt

"Gar nicht verrückt, ist auch nicht normal." (Christian Hottas)


Ja. Und wenn ich das gewusst hätte. Ja dann ...


Dann hätte ich vielleicht nicht so schnell auf den Anmeldeknopf gedrückt, sondern hätte hätte hätte ... Fahrradkette ;-(


Der Treppenmarathon war doch schon schwer genug und mit 10500 pos Höhenmeter ne Nummer für sich.

Nur das, was am Keufelskopf passieren sollte, würde alles bisher erlebte in den Schatten stellen.

Man kann immer einen weiteren Superlativ finden. Höher, schneller, weiter. Aber das ist schon lange nicht mehr mein Ziel.

Meine Ziele sind mehr der Genuss und das Erlebnis. Am wohlsten fühle ich mich im Wald, am Berg, in der Natur.
Nun ist aber Berg nicht gleich Berg.

Das alpine Gelände ist für mich ganz weit weg und nicht das, was ich möchte. Mein Schwerpunkt ist das Mittelgebirge, das Sauerland oder eben der Hunsrück.

Letztes Jahr der Ultra-Trail an der Saarschleife war sehr schön. Tolle Aussichten und landschaftlich ein Traum. Warum also dann nicht in die Nachbarschaft und da ein Läufchen wagen?

Also Anmeldung gedrückt und im Plan fixiert.

Den Track hat uns Eric mit der letzten Mail zugesandt und da hätte ich schon stutzig werden müssen, hab das aber ganz entspannt hingenommen. Tz, 3600 Höhenmeter. Trainiert habe ich dafür. Aber ...



Die letzte Woche der Vorbereitung war angebrochen und mit 2 kleinen entspannten Läufchen stand am Freitag nach getaner Arbeit das Herrichten der Schlafstelle an.




Den Space Shuttle gepackt, das Bettchen gebaut und vor der Abfahrt das übliche Carbo-Loading: 
Vollkornnudeln mit Gemüse standen auf dem Speiseplan und nach erfolgreicher Vernichtung machte ich mich auf den 3 stündigen Anreiseweg.


Die Baustellen und Autobahnerneuerungen machen die Fahrt um Frankfurt herum etwas anstrengend, aber ich habe es ohne verfahren geschafft und bin 23:00 Uhr in Reichweiler gelandet.


Dank der hervorragenden Orga, die sich bis zum Schluss des Events durchzog, war der Parkplatz schnell gefunden und der Stellplatz bezogen.

Mit den Gedanken an die Unterbrechung bei Rock am Ring und meinem GuteNachtBier schlief ich ein.



Die Gespräche der Einweiser weckten mich und um mich herum war der Platz immer noch leer.

Nach der Katzenwäsche und meinem Power-Müsli aus Chia, Obst und Haferflocken ging es zur Startnummerausgabe.

Hier sollte die vorgeschriebene Mitnahme nach Packliste und Herausgabe der Startnummer nur nach Vorlage des Ausweises erfolgen.

Zurück ans Auto, Beutelchen mit dem Finisher-Shirt wegbringen und wieder zurück :-(

Für 3,-€ Kaffee und Brötchen als letzte Stärkung, denn ohne Kaffee geht nichts.

Die Eigenversorgung in die bereitgestellten Kisten verteilt, ein paar nette Bekannte getroffen und dann war auch schon das Briefing fällig.


© Gabi Gründling
Kurz und knapp, mit hinweisen von Eric, wo ich das erste Mal mitbekam, das er Niederländer ist, und schon fiel der Startschuss.

Wie üblich bei den nun schon zahlreich absolvierten Utra-Teilnahmen, setzte sich das Feld sehr bedächtig in Marsch, denn sofort ging es bergauf, was sich bis zum Ziel in 85 km auch nicht mehr nennenswert ändern sollte.


Die Ausschreibung bereitete schon mal gedanklich auf 2% Asphalt vor, was ich ich sehr gut fand. Der Anteil von Single-Trails wurde mit über 60% ausgewiesen. Nur die Aussage eines Finishers aus 2013, "Ich kann keine Single-Trail mehr sehen.", konnte ich nicht nachvollziehen. Noch nicht. Aber ...


Die ersten 20 km verflogen regelrecht. Ich war in meinem Element. Trails vom feinsten und Single traf es auch. Stellenweise zu genau :-(

Einige der Trails waren wohl für Mountenbiker angelegt, dem Kurvenausbau nach zu urteilen und auch wir nutzen diese.

Die Ausschreibung wies ausdrücklich auf Semi-Autonom hin und es werde keine Eigenversorgung mitgenommen, die auch Nahrung beinhaltete, diese sei selbst zu schleppen.
Schleppen wollte ich nichts und so beschrenkte ich mich auf 2 Liter Iso in der Trinkblase, weitere 1,5 Liter deponierte ich bei VP39 und bei km71 sollten eine Cola und ein Espresso auf mich warten.
3 Tütchen meiner Nussmischung á 100 g, was in etwa 500 kcal entsprach und 2 Regel je 550 kcal waren im Rucksack verpackt. Ebenso eine Windjacke (wie überflüssig), mein Salomon-Faltbecher und das Erste-Hilfe-Paket inkl. Zeckenzange und Taschenmesser, weil ich auf die vom Veranstalter empfohlene lange Hose verzichtete.

Der Anfang ging aber noch relativ anständig. Auf einer stillgelegten Bahntrasse ging der Weg auf dem Jacobsweg entlang und ich musste an Jörg und Carmen denken, die diesen Weg gerade erst bis Santiago de Compostela gegangen sind.




Bei km24 der erste VP. Wasser. Nur Wasser. Also wuchs die Freude auf meine Cola bereits hier. Und das schon nach fast 3 Stunden. Oh man. Wenn ich gewusst hätte, das noch 9 vor mir liegen sollten :-(

Nach kurzer Rast und ein paar Becher des angebotenen Wassers mit ein paar Bissen in den Riegel machte ich mich wieder auf den Weg.


Weg? Welchen Weg? Manchmal konnte man einen Weg in dem Sinne des Wortes nur erahnen.






Aber noch war meine Stimmung gut und ich zückte hin und wieder mein Handy, um die Landschaft einzufangen, oder ein paar Läufer in meiner Nähe.






Es ging durch alte Steinbrüche, in denen in längst vergangenen Tagen nahe Freisen Achat abgebaut wurde.


Doch dann lies ein einziges Mal die Aufmerksamkeit zu Wünschen übrig und schwupp ...

Lag der Gnü mal wieder auf 179 cm des Weges. Das gerade verheilte Knie wieder blutig und, was viel schlimmer war, beim Sturz knallte mein rechtes Knie in die Wade des linken Beines. Oh ha. Das war ein Schmerz, der sich gewaschen hatte. Ein echt besch... Krampf, den ich aber durch ein kleines Dehnen und massieren weg bekam. Zum Glück!

Km39 und fast Halbzeit und den gleichnamigen Berg des Rennens, den Großen Keufelskopf erreicht.




Den Trinkrucksack wieder mit dem deponierten Iso aufgefüllt, kleiner Plausch mit den lieben Helfern, ein paar Happen meiner Nussmischung versucht zu verdrücken, aber irgendwie nichts rein bekommen. Es war ein einziger dicker Klumpen und selbst das runterspülen half nicht.

Also Tütchen zurück in den Rucksack, Nachricht an die Lieben zu Hause und weiter.



Unfassbar, aber inzwischen war ich wirklich schon über 5 Stunden unterwegs und meine leise Hoffnung, das Ding in 10 Stunden im Sack zu haben, zerschlug sich.

Wie sich auch meine Motivation zerschlug.

Jupp. Ich hatte keine Lust mehr. Mir ging es inzwischen wie dem Finisher aus 2013: ich kann keine Trails mehr sehen. Ich wollte nicht mehr. Krafttechnisch kein Thema, aber der Kopf hat zugemacht.


Diese unglaubliche Schwüle, die selbst im Wald unerträglich schien, die vergebliche Suche nach einem Bach, der erst viel später zu meiner Rettung wurde, das gerissene Schnürband, die zum xten Mal ausgeschütteten Schuhe ...


Lass es vorbei gehen, war mein einziger Wunsch. Doch aufgeben? Nein. Nie und nimmer. Ich war gesund, ich hatte Kraft und ich wollte diese Sche... Medaille.

Ich fahre doch keine 6 Stunden Auto, um ohne Medaille nach Hause zu kommen? Nein. Nicht der Gnü.
Also Wandertag!

Yes. Wer mich kennt, weiß, dass das lange dauert, bis ich soweit bin. Aber am 03.06. war ich nach 5 Stunden soweit und dachte an die Worte von Max: Wenn du nicht mehr laufen kann, gehe. Wenn du nicht mehr gehen kannst, krieche und dann krieche bis es wieder geht.

Gekrochen bin ich zwar nicht, aber Kilometer um Kilometer gegangen.

Ein paar Läufer sammelten mich ein und wir legten den einen oder anderen km gemeinsam zurück, bis man sich wieder voneinander trennte. Die jungen Wilden gaben Gas.

Irgendwo verlief ich mich und auch die mir folgenden hatten wohl einen Wegweiser übersehen. So suchten wir gemeinsam den Weg und der aufs Handy übertragene Track in Locus brachten uns wieder auf den Pfad zurück. 
Selbst mein Wanderschritt schien einigen noch zu schnell und so war ich wieder alleine unterwegs.

VP56. Ich hatte gedacht auch da etwas deponiert zu haben. Hatte ich aber doch nicht.

© Gabi Gründling
Ich glaube mein Gesicht spricht bände ...
Also weiter und dem netten Kollegen, der mir einen Schluck seiner Cola angeboten hat, dankend abgelehnt. Ist ja seine.

Jede Ablenkung in der Landschaft nahm ich dankend an und hielt sie im Bild fest.


sogar Treppen
Die, die mich gerade überholten jungen Wilden, hatte ich bei km 71 wieder ein und ich war happy endlich meinen Espresso und die Cola zu bekommen. Ich bin kein Fan von Cola, aber allein der Gedanke daran kann dir das Leben retten :-)

Espresso in den Kopf, Trinkblase zum letzen Mal aufgefüllt und Cola in die Hand. Die gibt es unterwegs und in Gedanken hieß es: ihr bleibt hinter mir!


Es wirkt echt Wunder, so ein Zuckerschock.
Der Gnü lief wieder :-)
Wenigstens ein paar Meter, wenn auch keine km, aber er lief. Hin und wieder hörte ich die Verfolger, aber es spornte mich an. Ich lief.


Die trüben Gedanken waren mit der Cola ausgeschieden und ich lief. Vorbei an einem Steinbruch, die letzten 2 Rampen, die wieder nur mit Hilfe eines Seils zu bewältigen waren. Noch ein Kontrollpunkt. Liebe Worte und weiter.
Vorbei an einer Hütte, in der ein paar Jugendliche grillten und feierten, ließ das Nahen des Ziel ahnen.

Aber wer die Holländer kennt ...
Es wäre ja zu einfach, den direkten Weg ins Ziel zu nehmen. Nein! Man kann ja noch eine "kleine" Runde ums Dorf laufen :-(

Noch mal hoch, noch mal links, wieder rechts, wieder bergab, wieder berghoch. Dann die bereits von anderen angekündigte "Beschwerde-Box".

:-))
Diese Holländer ...

Dann der Friedhof und wieder einen den ich hinter mir lassen konnte. Das hieß 5 eingesammelt, was mich mental noch mehr aufbaute.
Vergessen die Blase an der linken Ferse, die mich bereits seit km 45 zum Balettläufer hat werden lassen.

Vergessen der Schweiß, der seit dem Start in den Augen brannte.
Nur noch den Rucksack abwerfen, Schuhe aus und unter eine Dusche ...

Dann wirklich. Der letze Berg, noch 400 Meter, die mir sagten "gleich". 200. Ich sah den Zielbogen. Ich sah Claudi und Kuno sitzen. Ich hörte die Zuscheuer den vor mir einlaufenden klatschend begrüßen. 100. Ich wurde gesichtet. Es wurde geklatscht. Claudi kam mir ein Stück entgegen. Ich hatte es tatsächlich hinter mir.
Stopptaste an der Suunto gedrückt und ich von Claudi, hängte mir Eric, dieser verrückte Hund Niederländer, die in der Tat schwer erkämpfte aber mit Recht verdiente Medaille um den verschwitzen Hals.


Meiner Anmerkung zu seiner Verrücktheit widersprach er nicht, sonder lachte sehr. Ob ich denn nächstes Jahr zum 10. wieder dabei sei verneinte ich, weil ich bereits ein Date habe.
Erst in Bödefeld und dann an der Ruhrquelle :-)


Da ist der Lohn des Kampfes:

12:26:33 h
85 km
3600 Höhenmeter
Platz 21 gesamt
Platz 5 AK45

Gar nicht so schlecht, wenn ich an die zurückliegenden Stunden denke. Als ich schon fast nicht mehr daran glaubte, jemals anzukommen.

Allerdings: 4 Stunden nach dem Sieger. Irre. Alle irgendwie vollkommen verrückt :-)

Ich genoss das erste von 2 Weizen und so wie die Flasche auf war, war der Inhalt verdunsten.
Schnell zum Space Shuttle und unter die Dusche. Ich wollte einfach nur noch aus den nassen Klamotten.
Der vor mir eingelaufene Peter war so nett, mich mit zur Dusche in seinem Wagen zu nehmen und nach 30 min war der Gnü wieder ein sauberes Schweinchen.

Das letzte Mal einen Berg hoch (in Badelatschen) am heutigen Tag, die Tasche in das Auto gebracht, zum letzen Mal an das DGH und meine verdiente Lyonerpfanne mit dem 2. Weizen vernichtet.

Noch ein paar Worte mit Claudi und Kuno gewechselt, sich alles Gute für die nächsten Events gewünscht und ab in den Space Shuttle, auf den Heimweg.

Nicht ohne einen Entschluss gefasst zu haben: der Thüringen Ultra fällt aus!
Jawoll. Mein Kopf ist leer und ich muss erst einmal die Gedanken neu sortieren.

Juni und Juli werde ich das Laufen stark reduzieren und stattdessen ein bisschen durch Nordhessen (oder darüber hinaus) kurbeln.

Tja, so ist das. Wenn du denkst es geht noch mehr, kommt irgendwo ein Dämpfer her :-(

Wer weiß, wozu es gut ist. Aber was zählt ist:
Wer sich bewegt, bewegt was!


Ud wenn es die Bilder im Kopf sind. 

Euch sage ich ganz lieben Dank für das Lesen meines Blog, freue mich, wenn ihr mir einen Kommentar oder Kritik hinterlasst und verbleibe mit sportlichen Grüßen

Euer Gnü aus Zü